Konzept zur beruflichen Orientierung für Schüler der Hinnerk Haidjer Schule, Förderschule Lernen Moordorf (Entwurf)

 

Individuelle berufliche Werdegänge und Beschäftigungszeiten sind heute kaum noch vorauszuplanen. Die schulische Vorbereitung auf die Arbeitswelt muss daher Aspekte der Flexibilität und Mobilität enthalten sowie die Auseinandersetzung auf Lebensphasen ohne Erwerbstätigkeit. …

Aus dem Lehrplan für sonderpädagogische Förderung an allgemein und berufsbildenden Schulen in Schleswig-Holstein (MBWFK SH 2002:35).

 

 

Ein moderner schulischer Berufsorientierungsunterricht, der sich den Anforderungen des Arbeitsmarktes und den Problemen der Übergänge stellt, kann sich nicht auf Berufswahl -Vorbereitung und Anpassung an den Arbeitsmarkt beschränken. Dies gilt letztlich für alle Ansprüche an Berufsorientierung aller Schulformen.

Im Vordergrund steht:

„Kompetenzförderung statt Qualifikationserwerb – und eine stärkere Gewichtung von Strukturwissen und Fähigkeiten zur Informationsbeschaffung, -beurteilung und -verarbeitung vor kurzfristig verwertbarem und schnell wieder vergessenem Faktenwissen – sind Notwendigkeiten für jeden Jugendlichen, der einmal selbstständig sein Leben führen können soll.

Dabei lässt sich Berufsorientierung (BO) „definieren als ein lebenslanger Prozess der Annäherung und Abstimmung zwischen Interessen, Wünschen, Wissen und Können des Individuums auf der einen und Möglichkeiten, Bedarf und Anforderungen der Arbeits- und Berufswelt auf der anderen Seite. Beide Seiten, und damit auch der Prozess der Berufsorientierung, sind sowohl von gesellschaftlichen Werten, Normen und Ansprüchen, die wiederum einem ständigen Wandel unterliegen, als auch den technologischen und sozialen Entwicklungen im Wirtschafts- und Beschäftigungssystem geprägt. Berufsorientierung ist somit ein Lernprozess, der sowohl in formellen, organisierten Lernumgebungen als auch informell im alltäglichen Lebensumfeld stattfindet. Diese informellen Lernprozesse stellen gerade im Hinblick auf Jugendliche mit besonderem Förderbedarf im Bereich des Lernens und sozialen Verhaltens eine besondere Herausforderung für den berufsorientierenden Unterricht dar, da diese Jugendlichen häufig aus bildungsfernen Schichten stammen und in einem sozialen Umfeld zu Hause sind, in dem die Ausübung von Erwerbsarbeit keine Selbstverständlichkeit darstellt (vgl. Pfahl 2004:1).“

 

In der Schule „sollte dem ein allgemein bildender Berufsorientierungsunterricht entgegenwirken. Ein allgemein bildender berufsorientierender Unterricht fügt dementsprechend die Auseinandersetzung mit der Arbeits- und Berufswelt in den allgemeinen lebensweltlichen Kontext der Jugendlichen ein. Er dient dem Ziel, Informationen, Kenntnisse und Erfahrungen vor dem Hintergrund gesellschaftlicher, betrieblicher und persönlicher Interessen und Wertigkeiten interpretieren, bewerten und in eigenverantwortliches und zielgerichtetes Handeln übersetzen zu können. Jugendliche werden darin gestärkt, ihre individuelle Arbeits- und Berufsbiografie selbst gestalten zu können, wobei ein umfassender Arbeitsbegriff zu Grunde gelegt wird, der auch nicht entlohnte Tätigkeiten wie Haus- bzw. Eigen- und Bürgerarbeit umfasst (Famulla / Butz 2005).“

 

Nicht nur unter einem pädagogischen Anspruch, sondern auch aufgrund der Unplanbarkeit zukünftiger Erfordernisse und Möglichkeiten auf dem Arbeitsmarkt darf die Auseinandersetzung mit der Arbeitswelt nicht auf ein Anpassen an kurzfristige wirtschaftliche Bedürfnislagen hinauslaufen. Wenn man jungen Menschen wirklich die Möglichkeit zu einem selbstständigen Leben eröffnen möchte, darf ein berufsorientierender Unterricht die Ziele

• Lebenschancen zu eröffnen und zu erweitern,

• Verständnis und Einsicht, auch im Zusammenleben mit anderen, zu fördern,

• Handlungsoptionen zu verdeutlichen sowie Entscheidungs- und Handlungsfähigkeit

  zu steigern sowie

• Eigenverantwortung und Selbstständigkeit zu stärken,

unabhängig vom kognitiven und sozialen Leistungsvermögen des Jugendlichen nicht aus den Augen verlieren.

  

Mit der Klasse 7 beginnt sich der Fokus in der Hinnerk Haidjer Schule direkter auf die berufliche Orientierung zu legen.

Durch das Schulfach „Arbeit/ Wirtschaft/ Technik“ (AWT), erhalten die Schüler nun direkter detailliertere Kenntnisse über verschiedene Berufe bzw. Berufsgruppen. Zusätzlich werden in diesem Jahrgang Betriebsbesichtigungen beim örtlichen Energieversorger, den örtlichen Bäckereien und Mostereien durchgeführt. Hier kommen die Schülerinnen und Schüler erstmalig mit Arbeitgebern in Kontakt und können sich vor Ort über Berufe informieren.

In Klasse 8 findet das erste zweiwöchige Praktikum an der Hinnerk Haidjer Schule statt. Soweit möglich sollen sich die Schüler selbständig um eine Praktikumstelle bemühen. Im Unterricht werden Sie durch das Erlernen der Grundlagen von Kommunikation mit Arbeitgebern und dem Erlernen der Erstellung eines Lebenslaufes vorbereitet.

Der Abschluss des Praktikums bildet die Erstellung einer Praktikummappe, in welcher die Schüler ihre Erfahrung über die gewählte Praktikumstelle festhalten.

In Klasse 9 wird der Fokus noch stärker auf die Berufsorientierung der Schüler gelegt.

Die Schüler der Hinnerk Haidjer Schule besuchen in ihrem letzten Schuljahr 1-mal die Woche die BBS Aurich und lernen dort Berufe nach dem Auricher Modell kennen. Dabei werden die Bereiche Hauswirtschaft, Bautechnik und Holztechnik in einem Block von jeweils 6 Wochen durchlaufen. Sollte es mehr als eine 9. Klasse geben, wird die BBS im 2 wöchigen Wechsel besucht.

In dieser Zeit wird vertiefend mit den Schülerinnen und Schülern das Erstellen von Tageskurzberichten und Praktikumberichten geübt.

Weiterhin absolvieren die Schülerinnen und Schüler zwei Praktika von je 3 Wochen im 9. Schuljahr. Bei der Auswahl der Praktika wird in diesem Schuljahr besonders darauf geachtet, dass die persönliche Interessenlage des Schülers/ der Schülerin und seiner/ ihrer Lernvoraussetzungen mit den betrieblichen Gegebenheiten in Einklang zu bringen.

Für besonders förderbedürftige Schülerinnen und Schüler können zusätzliche, individuelle Dauer- oder Betriebspraktika (z.B. WfB) bereitgestellt werden.

Diese betrieblichen Orientierungen wird für alle Schülerinnen und Schüler der Klasse 9 durch die Berufsberatung der Agentur für Arbeit abgerundet.

Weiterhin besuchen die Schülerinnen und Schüler der Klasse 9 das BIZ in Emden und einem Pflichtversicherer.

Weiterhin fahren die Jugendlichen der Klasse 8 und 9, soweit dies möglich ist, zum Jugendwaldeinsatz. Dabei bekommen die Jugendlichen einen direkten Bezug zum Natur- und Umweltschutz und erlangen zu dem praktische Erfahrungen in der Wald- und Forstwirtschaft.

Ein weiterer Bereich der individuellen beruflichen Förderung ist das „Projekt“ Schülerkiosk, welches die Schüler der Klassen 6-8 mit Unterstützung von Lehrkräften und Eltern weitestgehend selbstständig bewirtschaften.

 

 

Denkansätze zur Weiterentwicklung:

 

  1. Weiteres Praktikum in Klasse 8 von 2 Wochen.
  2. Patenschaften der Betriebe mit Schülerinnen und Schülern
  3. professionelles Kommunikationstraining